Um das zu veranschaulichen, habe ich Ihnen ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit mitgebracht. Wirtschafts- und Finanzmedien wie die FAZ1 oder das Handelsblatt2 veröffentlichen jedes Jahr im Januar entsprechende Prognoselisten, meist mit 20 oder 30 Prognosen verschiedener Marktteilnehmer. Ich habe seit 2020 für jedes Jahr jeweils eine eher niedrige, eine mittlere und eine der höchsten Prognosen für die Entwicklung des DAX in dem jeweiligen Jahr herausgegriffen. Und zum Vergleich den tatsächlichen Schlusskurs per 31. Dezember.

Dieser Blick auf die Prognosen der letzten Jahre bietet einige interessante Erkenntnisse: Er zeigt, dass die Finanzexperten und Analysten oft sehr unterschiedlicher Auffassung sind und dass es immer eine gewisse Spanne zwischen den höchsten und niedrigsten Prognosen gibt. Jedes Jahr zeigt sich ein etwas anderes Bild, oft wurde der DAX unterschätzt, mal überschätzt, die meisten Prognosen lagen daneben, nur wenige waren treffsicher. Und wie unser Chefvolkswirt Philipp Dobbert immer so schön sagt: Es muss ja tatsächlich rein statistisch betrachtet immer jemanden geben, der korrekt prognostiziert oder zumindest nah dran ist – das liegt in der Natur der Sache. Auffällig ist auch: Es gibt nicht das eine Institut, das über die Jahre hinweg verlässlich immer „richtig“ lag. Es waren immer andere. Das heißt, es gibt nicht das eine Haus, das immer besser als die anderen prognostiziert.
Wir haben hier zwar einen Blick auf DAX-Prognosen geworfen, dasselbe Spiel findet alle Jahre wieder aber auch für andere Indizes und Anlageklassen wie Rohstoffe (Gold) oder Kryptowährungen statt.
Wenn aus Prognosen Anlageentscheidungen werden
Grundsätzlich habe ich auch überhaupt nichts gegen Prognosen und Marktanalysen, im Gegenteil, sie sind spannend und machen Spaß, sie geben Orientierung und zeigen, wie verschiedene Experten ein und dieselben Informationen bewerten. Zudem vermitteln sie einen Eindruck davon, welche Erwartungen zu Beginn eines Jahres im Markt vorherrschen. Schwierig wird es dann, wenn Prognosen die Basis für Anlageentscheidungen sind. Sprich, wenn auf Prognosen basierend entschieden wird, ob oder wie Geld angelegt werden soll. Warum ist das problematisch?
Warum Prognosen so oft scheitern
Ganz einfach, weil niemand die Zukunft vorhersagen kann. Auch wenn einige Experten so tun, als könnten sie es. Dem ist aber nicht so. Schon gar nicht in einer Welt, die mehr denn je von Komplexität, Schnelllebigkeit und unerwarteten Ereignissen geprägt ist. Die vergangenen Jahre haben das mit der Corona-Pandemie, zahlreichen neuen und alten geopolitischen Konflikten, der galoppierenden Inflation, mehreren Zinswenden, technologischen Umbrüchen etc. eindrücklich unter Beweis gestellt. All diese Ereignisse und die damit verbundenen Marktschwankungen kann kein Analyst der Welt vorhersehen. Bestes Beispiel war hier die Corona-Pandemie, die erst einen historischen Börsen-Crash auslöste und kurz darauf in einer unerwartet kräftigen Erholung mündete. Märkte reagieren nicht linear – und selten so, wie es Modelle und Prognosen erwarten.
Prognosen taugen nicht als Basis für Geldanlage
Liebe Leserinnen und Leser, Sie dürfen natürlich gerne Prognosen in den Medien verfolgen und Sie dürfen sie natürlich auch spannend finden. Ich lade Sie auch herzlich dazu ein, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wo der DAX Ende 2026 stehen könnte. Ich bitte Sie nur, behalten Sie dabei im Hinterkopf: Prognosen taugen nicht als Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Geldanlage. Denn wer versucht, auf Basis von Erwartungen und Vorhersagen zu investieren, macht aus Investieren schnell eine Wette. Erfolgreiche Geldanlage funktioniert anders.
Was wirklich zählt
Statt auf Prognosen zu setzen, ist es sinnvoller, sich auf Dinge zu konzentrieren, die verlässlich sind und die man selbst beeinflussen kann: klare Ziele, die passende Risikostruktur, eine breite Streuung, niedrige Kosten – und vor allem Durchhaltevermögen, besonders dann, wenn die Märkte schwanken. Die Zukunft kennen wir nicht. Niemand kennt sie – und das ist gut so. Aber wir können unser Vermögen so aufstellen, dass wir mit vielen möglichen Zukünften gut leben können. Und das ist am Ende deutlich verlässlicher als jede DAX-Prognose – ganz egal, wie überzeugend sie formuliert ist.







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