arrow left
Alle News

Alle Jahre wieder: das große Prognosebingo

Karl Matthäus Schmidt
,
CEO und Gründer der Quirin Privatbank AG
3
Minuten

Jedes Jahr im Januar erleben wir an den Finanzmärkten ein sich stetig wiederholendes Spektakel – es ist die Hochsaison für Prognosen. Prognostiziert wird über die Entwicklung des DAX, des Dow, anderer Aktienindizes oder einzelner Anlageklassen. Große wie kleine Banken, Finanzinstitute jedweder Art, professionelle Analysten und selbsternannte Finanzexperten publizieren ihre Einschätzungen, wie die Märkte sich im neuen Jahr entwickeln könnten. Das ist übrigens kein Phänomen der letzten Jahre, sondern eine seit Jahrzehnten beliebte – man könnte fast schon sagen – Neujahrstradition.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Januar haben Kapitalmarkt-Prognosen Hochkonjunktur
  • Prognosen gehen oft weit auseinander und treffen selten zu  
  • Niemand kann Zukunft und damit Marktentwicklungen vorhersehen  
  • Anlageentscheidungen nicht nach Prognosen ausrichten  
  • Lieber auf systematische Rendite durch breite Streuung und niedrige Kosten setzen

Um das zu veranschaulichen, habe ich Ihnen ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit mitgebracht. Wirtschafts- und Finanzmedien wie die FAZ1 oder das Handelsblatt2 veröffentlichen jedes Jahr im Januar entsprechende Prognoselisten, meist mit 20 oder 30 Prognosen verschiedener Marktteilnehmer. Ich habe seit 2020 für jedes Jahr jeweils eine eher niedrige, eine mittlere und eine der höchsten Prognosen für die Entwicklung des DAX in dem jeweiligen Jahr herausgegriffen. Und zum Vergleich den tatsächlichen Schlusskurs per 31. Dezember.

Dieser Blick auf die Prognosen der letzten Jahre bietet einige interessante Erkenntnisse: Er zeigt, dass die Finanzexperten und Analysten oft sehr unterschiedlicher Auffassung sind und dass es immer eine gewisse Spanne zwischen den höchsten und niedrigsten Prognosen gibt. Jedes Jahr zeigt sich ein etwas anderes Bild, oft wurde der DAX unterschätzt, mal überschätzt, die meisten Prognosen lagen daneben, nur wenige waren treffsicher. Und wie unser Chefvolkswirt Philipp Dobbert immer so schön sagt: Es muss ja tatsächlich rein statistisch betrachtet immer jemanden geben, der korrekt prognostiziert oder zumindest nah dran ist – das liegt in der Natur der Sache. Auffällig ist auch: Es gibt nicht das eine Institut, das über die Jahre hinweg verlässlich immer „richtig“ lag. Es waren immer andere. Das heißt, es gibt nicht das eine Haus, das immer besser als die anderen prognostiziert.

Wir haben hier zwar einen Blick auf DAX-Prognosen geworfen, dasselbe Spiel findet alle Jahre wieder aber auch für andere Indizes und Anlageklassen wie Rohstoffe (Gold) oder Kryptowährungen statt.  

Wenn aus Prognosen Anlageentscheidungen werden  

Grundsätzlich habe ich auch überhaupt nichts gegen Prognosen und Marktanalysen, im Gegenteil, sie sind spannend und machen Spaß, sie geben Orientierung und zeigen, wie verschiedene Experten ein und dieselben Informationen bewerten. Zudem vermitteln sie einen Eindruck davon, welche Erwartungen zu Beginn eines Jahres im Markt vorherrschen. Schwierig wird es dann, wenn Prognosen die Basis für Anlageentscheidungen sind. Sprich, wenn auf Prognosen basierend entschieden wird, ob oder wie Geld angelegt werden soll. Warum ist das problematisch?  

Warum Prognosen so oft scheitern

Ganz einfach, weil niemand die Zukunft vorhersagen kann. Auch wenn einige Experten so tun, als könnten sie es. Dem ist aber nicht so. Schon gar nicht in einer Welt, die mehr denn je von Komplexität, Schnelllebigkeit und unerwarteten Ereignissen geprägt ist. Die vergangenen Jahre haben das mit der Corona-Pandemie, zahlreichen neuen und alten geopolitischen Konflikten, der galoppierenden Inflation, mehreren Zinswenden, technologischen Umbrüchen etc. eindrücklich unter Beweis gestellt. All diese Ereignisse und die damit verbundenen Marktschwankungen kann kein Analyst der Welt vorhersehen. Bestes Beispiel war hier die Corona-Pandemie, die erst einen historischen Börsen-Crash auslöste und kurz darauf in einer unerwartet kräftigen Erholung mündete. Märkte reagieren nicht linear – und selten so, wie es Modelle und Prognosen erwarten.

Prognosen taugen nicht als Basis für Geldanlage  

Liebe Leserinnen und Leser, Sie dürfen natürlich gerne Prognosen in den Medien verfolgen und Sie dürfen sie natürlich auch spannend finden. Ich lade Sie auch herzlich dazu ein, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wo der DAX Ende 2026 stehen könnte. Ich bitte Sie nur, behalten Sie dabei im Hinterkopf: Prognosen taugen nicht als Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Geldanlage. Denn wer versucht, auf Basis von Erwartungen und Vorhersagen zu investieren, macht aus Investieren schnell eine Wette. Erfolgreiche Geldanlage funktioniert anders.

Was wirklich zählt

Statt auf Prognosen zu setzen, ist es sinnvoller, sich auf Dinge zu konzentrieren, die verlässlich sind und die man selbst beeinflussen kann: klare Ziele, die passende Risikostruktur, eine breite Streuung, niedrige Kosten – und vor allem Durchhaltevermögen, besonders dann, wenn die Märkte schwanken. Die Zukunft kennen wir nicht. Niemand kennt sie – und das ist gut so. Aber wir können unser Vermögen so aufstellen, dass wir mit vielen möglichen Zukünften gut leben können. Und das ist am Ende deutlich verlässlicher als jede DAX-Prognose – ganz egal, wie überzeugend sie formuliert ist.

Das könnte Sie auch interessieren:

Sie wollen Ihr Vermögen frei von Prognosen aufstellen und systematisch Rendite einsammeln? Dann vereinbaren Sie gerne einen Kennenlerntermin.

[1] FAZ, eine von mehreren Quellen, alle Quellen stellen wir auf Nachfrage gerne zur Verfügung
[2] Handelsblatt, eine von mehreren Quellen, alle Quellen stellen wir auf Nachfrage gerne zur Verfügung

Disclaimer/rechtliche Hinweise:

Der Beitrag ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Er enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Erläuterungen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt und können keine individuelle anlage- und anlegergerechte Beratung ersetzen. Die Informationen stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Genehmigung nachgedruckt oder in ein Informationssystem übertragen oder auf irgendeine Weise gespeichert werden, und zwar weder elektronisch, mechanisch, per Fotokopie noch auf andere Weise.

Über den Autor
Karl Matthäus Schmidt

Karl Matthäus Schmidt ist Gründer und CEO der Quirin Privatbank. Er ist Banker in sechster Generation und revolutionierte bislang dreimal den deutschen Bankenmarkt. Mit 25 Jahren gründete er den ersten Onlinebroker Deutschlands, Cortal Consors, den er nach dem Börsengang an eine französische Großbank verkaufte. 2006 brachte er Deutschlands erste unabhängig beratende Bank, die heutige Quirin Privatbank, auf den Markt. Sie verzichtet auf die Annahme von Provisionen und kann Anlegerinnen und Anleger deshalb unabhängig beraten. 2013 gründete Schmidt den ersten Robo-Advisor Deutschlands, quirion, um allen Menschen einen Zugang zu einer guten und günstigen Geldanlage zu ermöglichen. Seine Vision ist es, mehr Menschen in Deutschland zu besseren Anlegern zu machen. Als Vorstand verantwortet er unter anderem die Bereiche Privatkundengeschäft und Anlagemanagement, außerdem ist er Aufsichtsratsvorsitzender der quirion AG. Der gebürtige Franke ist verheiratet, Vater von fünf Kindern und lebt in seiner Wahlheimat Berlin und Brandenburg.

Hören Sie passend zum Thema unseren Podcast „klug anlegen“

Das könnte Sie auch interessieren

Börsenperspektiven 2026
January 9, 2026
Inside Quirion
Finanzwissen

Börsenperspektiven 2026

Ein Moment des Innehaltens
January 2, 2026
Inside Quirion
Finanzwissen

Ein Moment des Innehaltens

Geduld, Gelassenheit, Rendite: ein Weihnachtsmärchen für Anleger
December 19, 2025
Inside Quirion
Finanzwissen

Geduld, Gelassenheit, Rendite: ein Weihnachtsmärchen für Anleger

Jetzt anlegen und Vermögen aufbauen.