Denn diese Frage wird Anlegerinnen und Anlegern bislang schlichtweg nicht gestellt. In provisionsfinanzierten Häusern spielt diese Frage keine Rolle, da es in der Regel nicht um den echten Bedarf der Kunden geht, sondern darum, die Produkte mit den höchsten Provisionen zu vertreiben.
Doch warum stellen wir diese Frage? Wir sind auch eine Bank, eine, die anders arbeitet als die anderen, die auf der Seite ihrer Kunden sitzt und mit ihnen gemeinsam wachsen will, aber letztlich trotzdem eine Bank. Es geht doch auch bei uns um Geldanlage, Renditen und Wertzuwachs, oder etwa nicht?
Ja, das tut es – aber erst im dritten Schritt. Davor kommen noch zwei andere Schritte.
Und die sind sehr wichtig.
Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, über Geld nachzudenken: Wie viel verdienen wir? Ist das genug? Wie viel können wir sparen? Wie viel sollten wir sparen? Wie viel Rendite bringt unser Vermögen? Ist das die richtige Anlageform? Reicht mein Geld für einen sorgenfreien Ruhestand? Wie viel Rente bekommen wir einmal? Können wir uns das Haus leisten? Wie viel können wir unseren Kindern hinterlassen? Das alles sind zweifelsohne berechtigte und wichtige Fragen.
Aber eine Frage stellen wir erstaunlich selten: Wie möchten wir eigentlich leben? Ich finde, das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Und sie hat viel mehr mit Geld zu tun, als man zunächst denkt.
In den Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden merke ich immer wieder, dass diese Frage für viele Menschen gar nicht so leicht zu beantworten ist, wie man im ersten Moment denkt. Entscheidend ist, dass man diese Frage in viele kleinere, konkretere Fragestellungen herunterbricht – und genau das habe ich getan. In meinem Buch „Geld im Glück“ finden Sie genau diese Fragen, die zunächst auch einmal gar nichts mit Geld zu tun haben. Manche von ihnen gehen ziemlich tief. Und manche sind auch ein bisschen unbequem.
Zum Beispiel:
Was macht mich eigentlich glücklich?
Schnell kommen uns Gedanken wie: Familie, Freunde, Gesundheit, Reisen, vielleicht ein schönes Zuhause. Doch das ist ja insgesamt immer noch recht unkonkret. Wie oft will ich meine Familie sehen? Was möchte ich mit ihnen erleben – Alltag, Urlaub, beides? Welche Art des Reisens macht mich glücklich? Allein, in einer Gruppe, organisiert, auf eigene Faust? Noch spannender wird es bei Fragen wie: Was sind die Momente, in denen ich wirklich zufrieden bin? Wann vergesse ich die Zeit? Was würde ich vermissen, wenn ich es nicht mehr tun könnte?
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, bei mir sind es oft gar nicht die großen Dinge. Es sind Erlebnisse, Menschen, Zeit. Dinge, die man nicht unbedingt kaufen kann – die aber manchmal sehr wohl davon abhängen, ob man sich die nötige Freiheit dafür leisten kann. Und damit sind wir dann auch beim Thema Geld. Denn eine weitere wichtige Frage lautet:
Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?
Vielleicht würden wir mehr reisen. Vielleicht weniger arbeiten. Oder mehr arbeiten. Vielleicht würden wir endlich das Unternehmen gründen, über das wir schon seit Jahren nachdenken. Vielleicht würden wir mehr Zeit mit unseren Kindern verbringen. Vielleicht würden wir jemanden unterstützen, der uns wichtig ist. Oder wir würden einfach gar nicht so viel verändern, wie wir zunächst gedacht hätten. Auch das ist eine interessante Erkenntnis. Denn manchmal stellen wir fest: Eigentlich fehlt uns gar nicht mehr Geld. Eigentlich fehlt uns etwas anderes. Zeit. Mut. Freiheit. Oder schlicht die Erlaubnis an uns selbst, Dinge anders zu machen.
Was soll mein Geld für mich möglich machen?
Und hier, liebe Leserinnen und Leser, beginnt eine gute Finanzplanung. Nicht bei der Frage, welches Produkt wir für unsere Geldanlage brauchen, welche Aktie als Nächstes steigen könnte, und auch nicht bei der Frage, ob wir den Markt im richtigen Moment erwischen. Sondern bei uns selbst.
Wer diese Frage beantwortet, sieht sein Vermögen plötzlich mit anderen Augen. Der eine möchte mit 60 nicht mehr arbeiten müssen. Die andere will sich beruflich auch einmal etwas Neues trauen können. Für wieder jemand anderen ist es wichtig, den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Oder er möchte möglichst viel von seinem Vermögen selbst erleben, statt es irgendwann weiterzugeben. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Es gibt nur das eigene Leben. Und deshalb kann auch eine gute Geldanlage nicht für alle Menschen gleich aussehen.
Eine weitere Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle, lautet:
Was ist mir wirklich wichtig?
Das klingt banal. Ist es aber nicht. Wir leben in einer Zeit, in der uns ständig erzählt wird, was wir noch brauchen. Ein größeres Haus. Das bessere Auto. Die nächste Reise. Das neueste Smartphone. Mehr Vermögen. Mehr Rendite. Mehr ist dabei schnell zum Selbstzweck geworden. Aber irgendwann lohnt es sich, innezuhalten und zu fragen: Mehr wovon eigentlich? Mehr Geld? Mehr Sicherheit? Mehr Freiheit? Mehr Zeit? Mehr Möglichkeiten? Denn wenn wir das nicht unterscheiden, können wir sehr erfolgreich darin werden, ein Ziel zu erreichen, das wir eigentlich gar nicht haben wollten.

Damit kommen wir zu einer Frage, die ich persönlich besonders spannend finde:
Und was möchte ich eigentlich noch erleben?
Viele Fragen habe ich heute schon hier in die Runde geworfen – eine mag ich besonders. Haben Sie sich schon einmal gefragt: Meine Zukunft – welches Bild kommt mir als erstes in den Kopf? Ein Sessel am Fenster? Das erste eigene Unternehmen? Oder ein weiteres? Ein Garten? Eine Reise ohne Rückflugdatum? Die Enkel? Dieses erste, ganz spontane Bild sagt oft mehr über unsere wirklichen Wünsche aus als jeder Depotauszug. Und wenn wir wissen, was wir erleben möchten, können wir anfangen, unser Vermögen danach auszurichten. Dann steht auf der persönlichen Wunschliste vielleicht drei Monate mit der Familie in einem anderen Land. Ein Sabbatical. Mehr Zeit für die Enkel. Ein eigenes kleines Projekt. Eine Weltreise. Oder einfach die Möglichkeit, irgendwann „Nein“ sagen zu können, ohne sofort über die finanziellen Folgen nachdenken zu müssen.
Geld bekommt seinen Wert erst durch das Leben, das wir damit führen
Deshalb halte ich so wenig davon, Geldanlage als Wettbewerb zu betrachten. Wer hat die höchste Rendite erzielt? Wer hat die beste Aktie gefunden? Wer hat den Markt geschlagen? Das kann spannend sein. Aber es beantwortet nicht die entscheidende Frage: Hat unser Geld dazu beigetragen, dass wir so leben können, wie wir leben möchten?
Darum geht es. Und vielleicht verändert sich dadurch auch unser Blick auf Risiken. Wenn ich weiß, wofür ich mein Geld brauche, kann ich viel besser entscheiden, welches Risiko ich eingehen möchte – und welches nicht. Wenn ich weiß, wann ich das Geld brauche, kann ich besser entscheiden, wie langfristig ich investieren kann. Wenn ich weiß, was mir wichtig ist, kann ich leichter unterscheiden zwischen dem, was ich wirklich brauche, und dem, was mir nur gerade jemand verkaufen möchte.







.webp)