Wenn Krieg herrscht, Krisen die Welt erschüttern und die Börsen heftig schwanken, suchen Anlegerinnen und Anleger Schutz im sicheren Hafen Gold … so die verbreitete Vorstellung. Doch zuletzt funktionierte diese alte Regel nur kurzzeitig. Konnte sich der Goldpreis mit Ausbruch des Iran-Krieges Anfang März noch temporär auf einem hohen Niveau halten, ging es ab Mitte März – trotz andauernder Kriegshandlungen – deutlich abwärts. Seit dem im Tagesverlauf erreichten Rekordhoch von knapp 5.600 US-Dollar (je Unze) Ende Januar 2026 ist der Goldpreis um gut 20 % eingebrochen (zwischenzeitlich sogar um fast 30 %).

Ein mutmaßlicher Grund für den Absturz: Der Goldpreis war zuvor schlichtweg heiß gelaufen. Der Rückschlag war insofern auch – aber nicht ausschließlich – eine Korrektur der vorherigen Übertreibung. Doch aus unserer Sicht gibt es einen weiteren gewichtigen Grund, der dem gelben Metall zuletzt zu schaffen machte: Steigende Anleiherenditen belasten den Goldpreis, denn das Edelmetall wirft keine Zinsen (und keine Dividenden) ab.
Und wenn – wie aktuell – als sicher geltende Anlagen, wie beispielsweise deutsche oder amerikanische Staatsanleihen, wieder spürbar höhere Zinsen als in der Vergangenheit abwerfen, ist Gold weniger attraktiv.

Als stützender Faktor für den Goldpreis erweisen sich hingegen weiterhin die Notenbanken, auch wenn das Kaufinteresse seit Ende 2024 etwas nachgelassen hat. Immerhin haben die Zentralbanken weltweit ihre Goldkäufe, nach einem zurückhaltenden Jahresauftakt 2026, im zweiten Quartal wieder deutlich ausgeweitet.

Gold-Image als sicherer Hafen angekratzt
Entscheidend für die weiteren Perspektiven am Goldmarkt dürfte insbesondere die weitere Entwicklung im Iran-Krieg sein, denn davon hängen zentral der Ölpreis und damit die Inflationsrisiken und die weitere Zinsentwicklung ab. Denn die Notenbanken stehen parat, um den steigenden Inflationsrisiken mit höheren Leitzinsen zu begegnen.
Wer Gold in erster Linie als Absicherung gegen mögliche Kursturbulenzen an den Aktienmärkten, unvorhersehbare Krisen oder generell als Inflationsschutz hält, könnte am Ende enttäuscht werden. Denn Gold wurde seinem Ruf als sicherer Hafen zuletzt längst nicht immer gerecht.
Und auch der Bitcoin hat zu kämpfen – er lässt sogar schon etwas länger Federn als ein Goldinvestment.
Ist der Bitcoin entzaubert?
Vom zwischenzeitlichen Hype rund um den Bitcoin ist mittlerweile nur noch wenig zu spüren. Vom Allzeithoch ist annähernd nur noch die Hälfte übriggeblieben – nach einem zugegebenermaßen atemberaubenden Aufschwung in den letzten Jahren.

Was sind die Gründe für den kräftigen Einbruch bzw. das schwindende Interesse? Zum einen dürfte auch hier – wie in so vielen anderen Bereichen auch – der Krieg zwischen Iran und den USA negative Auswirkungen haben. Die Sperrung der wichtigen Seestraße von Hormus und die schleppenden Verhandlungen über die Wiederöffnung treiben die Inflation und ersticken die noch zu Jahresbeginn bestehende Hoffnung auf Zinssenkungen. Momentan rechnet man im Gegenteil eher mit Leitzinserhöhungen. Niedrigere Zinsen sind aber – ähnlich wie beim Gold – tendenziell positiv für Krypto-Währungen, weil in einem Niedrigzinsumfeld risikoreichere Vermögenswerte generell gefragter sind.
Zudem konnte man zuletzt beobachten, dass (vermutlich enttäuschte) Investoren verstärkt Kapital aus Kryptowerten zugunsten von Tech- bzw. KI-Unternehmen umschichten. Die KI-Revolution macht somit auch vor dem Bitcoin nicht halt … und das auch auf andere Art und Weise: Kryptowährungen werden durch komplexe sogenannte „Blockchains“ geschützt (vereinfacht gesagt: digitale, gemeinsam geführte „Kassenbücher“). Doch was – so die Sorge –, wenn KI (oder Quantencomputer) zukünftig in der Lage sein werden, die Verschlüsselung zu knacken?
Ein weiterer Aspekt sorgt ebenfalls für Ernüchterung: Die propagierte These vom zukünftigen weltweiten Zahlungsinstrument hat sich bis heute noch nicht mal ansatzweise bewahrheitet. Erst sorgte 2021 die Entscheidung El Salvadors für großes Aufsehen, den Bitcoin als offizielles heimisches Zahlungsmittel einzuführen – als erstes Land weltweit. 2025 machte der südamerikanische Staat das Ganze dann – eher still und leise – wieder rückgängig. Auch weitere Versprechungen, etwa dass Bitcoins als Sicherheit im Portfolio dienen könnten oder Kryptowährungen im Allgemeinen als strategische Anlage für Staatsreserven relevant würden, sind bisher nicht eingetroffen. Betrugsrisiken rund um die Kryptobörsen sowie regulatorische Unwägbarkeiten vervollständigen das Negativbild.
Kursbildung spekulativ getrieben
Eine ganze Reihe aktueller Untersuchungen1, die sich den Preisbildungsfaktoren am Kryptomarkt gewidmet haben, kommt zu dem Schluss, dass sich die Bitcoin-Kurse (und die von anderen Kryptowährungen) letztlich vor allem an Stimmungen und nicht an Fundamentaldaten (die obendrein kaum zu definieren sind) orientieren. Eine starke Orientierung an Stimmungen begünstigt zudem Herdenverhalten und kann spekulative Blasen zusätzlich befeuern.
All das unterstreicht den extrem hohen Spekulationsgrad von Kryptowährungen: hohe Kursschwankungen, abrupte Preissprünge und die starke Abhängigkeit von Gerüchten, Trends und öffentlicher Aufmerksamkeit. Diese Mischung ist geradezu „explosiv“ und mit einer Dynamik versehen, die in beide Richtungen für extreme, unberechenbare Ausschläge sorgen kann. Bitcoin im Speziellen und Kryptos im Allgemeinen sind daher ausschließlich für Anlegerinnen und Anleger mit starken Nerven geeignet, die größere finanzielle Einbußen (auch mental) verkraften können.
Bestimmte Aspekte, die die Preisbildung für Kryptowährungen bestimmen, lassen sich im Übrigen auch auf den Goldmarkt übertragen: Marktstimmungen, Herdenverhalten, öffentliche Aufmerksamkeit.
Was Gold und Bitcoin gemeinsam haben – und was das für Ihr Portfolio bedeutet
Gold und Bitcoin verbindet mehr, als man vielleicht auf Anhieb vermuten würde: Beide liefern nämlich – im Gegensatz zu Aktien – keine wissenschaftlich nachgewiesene, systematische „Prämie“ für das eingegangene Risiko. Anders ausgedrückt: Es gibt (bislang) keinen ökonomischen Grund, warum reine Gold- oder Bitcoin-Investments systematisch eine positive Rendite erzielen sollten. Bei einer global gestreuten Aktienanlage ist der Sachverhalt völlig anders gelagert. Hier „arbeitet“ das investierte Geld buchstäblich in den Unternehmen und partizipiert am weltwirtschaftlichen Aufschwung, der die Unternehmensgewinne langfristig sprudeln lässt. Deswegen ist eine breit diversifizierte langfristige Aktienanlage eben keine Spekulation. Die Preisentwicklungen von Gold und Bitcoin – die nicht selten erratisch ausfallen – sind dagegen völlig unkalkulierbar. Und der ihnen oftmals zugeschriebene Krisenschutz funktioniert auch nur sehr eingeschränkt.
Von daher sind beide Anlageformen in einer streng rationalen bzw. wissenschaftlich ausgerichteten Strategie im Grunde überflüssig. Wenn man allerdings besser schlafen kann, wenn ein überschaubarer Teil des angelegten Geldes speziell in Gold investiert ist, ist (aus psychologischer Sicht) nichts dagegen einzuwenden.







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