Kein Wunder, dass angesichts dieser gewaltigen Summen die Nervosität unter den Haltern US-amerikanischer Staatsanleihen wächst und neue Käufer abschreckt, was sich zuletzt auch in spürbar gestiegenen Renditen langlaufender Anleihen widerspiegelte. Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen mehren sich bereits die Warnungen vor einem möglichen „Schulden-Crash“ an den Finanzmärkten. Zumal die USA längst nicht das einzige Land sind, das mit immer höheren Schulden zu kämpfen hat.
US-Schulden auf Rekordniveau
Die neue Trump-Regierung war im Januar 2025 eigentlich mit dem Ziel eines spürbaren Schuldenabbaus angetreten … eigentlich. Doch die eingeleiteten – zum Teil radikalen – Kürzungsmaßnahmen sparten kaum Geld ein oder wurden schnell wieder verworfen. Vielleicht erinnern Sie sich noch: Tesla-Chef Elon Musk trat seinerzeit als oberster Sparkommissar der US-Regierung auf.
Mehrere Entwicklungen haben dann allerdings für einen kräftigen Schuldenschub gesorgt, darunter die bereits erwähnte rasant steigende Zinslast für den immer größer werdenden US-Staatsschuldenberg sowie wachsende Sozial- und Gesundheitskosten, die eng mit der alternden amerikanischen Bevölkerung zusammenhängen. Der US-Kongress hat in den vergangenen Jahren zudem wiederholt milliardenschwere Gesetzespakete verabschiedet, die sowohl Steuersenkungen als auch zusätzliche Staatsausgaben vorsahen. Ein besonders prominentes Beispiel hierfür ist der 2025 auf Initiative von US-Präsident Trump beschlossene „One Big Beautiful Bill Act“, der beides in großem Umfang miteinander kombiniert. Die immensen Kosten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und dem Iran-Krieg sorgten endgültig für eine regelrechte Schuldenorgie.

Was Investoren fast noch mehr als die absolute Schuldenhöhe von 40 Billionen US-Dollar Sorgenfalten ins Gesicht treibt, ist die Dynamik, mit der der Schuldenberg wächst – die Schuldenspirale dreht sich immer schneller und schneller.
Die auf mittlerweile 40 Bio. US-Dollar angewachsene Schuldensumme lässt sich jedoch auch relativieren: Setzt man nämlich die absolute Höhe der US-Staatsverschuldung ins Verhältnis zum amerikanischen BIP (Bruttoinlandsprodukt), welches in den letzten Jahren nicht unerheblich zulegen konnte, zeigt sich seit 2020 kein Zuwachs, sondern eine Stagnation auf zugegebenermaßen sehr hohem Niveau (siehe nachfolgende Grafik). Die Verschuldung ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP) zu setzen, ist im Übrigen gängige (volkswirtschaftliche) Praxis.

Warum ist eine hohe Staatsverschuldung überhaupt problematisch?
Wenn ein Staat immer mehr Geld für den Schuldendienst aufwenden muss, fehlt das Geld an anderer Stelle für notwendige Zukunftsinvestitionen – wie beispielsweise Infrastruktur-, Digitalisierungs- und Klimaschutzprojekte. Die finanzielle Bewegungsfreiheit des Staates wird dadurch zunehmend geringer: Insbesondere wird sein Handlungsspielraum, in einer schweren Krise mit massiven finanziellen Mitteln gegenzusteuern, erheblich eingeschränkt – etwa im Falle einer neuen Pandemie, einer Finanzkrise oder einer Naturkatastrophe.
Eine höhere Staatsverschuldung als vorübergehende Unterstützung in schweren Krisen ist unter Ökonomen wenig umstritten. Aber gefühlt reiht sich mittlerweile eine Krise an die nächste. Und der Ausweg, sich über immer weitere Schulden Luft zu verschaffen, stößt spätestens dann an Grenzen, wenn an den Finanzmärkten die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung infrage gestellt wird.
Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Staatsschulden sind letztlich nichts anderes als aufgeschobene Steuern. Denn Zins- und Tilgungszahlungen auf die Staatsanleihen müssen aus den Staatseinnahmen finanziert werden – und diese speisen sich überwiegend aus Steuern. Je höher die Verschuldung, desto größer ist daher die Wahrscheinlichkeit, dass Steuern künftig erhöht (oder Staatsausgaben an anderer Stelle gekürzt) werden müssen. Problematisch in diesem Zusammenhang: Die Zinsausgaben des Staates gehören inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Ausgabenposten im US-Haushalt.

Steigende Nervosität an den Anleihemärkten
Der nahezu dreißig Jahre währende Trend fallender Anleiherenditen wurde im Jahr 2022 abrupt gebrochen. Die Hoffnung nicht weniger Schuldner, dass das Jahr 2022 nur ein Ausreißer war und wir bald wieder in die Zeiten niedriger Zinsen zurückkehren werden, hat sich nicht bewahrheitet. Trotz des spürbaren Renditeanstiegs seit 2022 gilt: Historisch betrachtet ist das aktuelle Renditeniveau nicht besorgniserregend hoch.

Bröckelt der „Safe-Haven-Status“? In Krisenzeiten gelten US-Staatsanleihen gemeinhin als „sicherer Hafen“ („Safe Haven“) – als Fluchtpunkt für das Vermögen internationaler Anlegerinnen und Anleger, aber auch von Staaten. Diese Funktion als Krisenanker erhöht die Nachfrage, treibt die Kurse der Anleihen nach oben und drückt damit die Renditen, die sich stets gegenläufig zu den Kursen entwickeln. Im Euro-Raum übernehmen in erster Linie Bundesanleihen diese Funktion der sicheren Anlage.
Angesichts des rasanten Anstiegs der amerikanischen Schulden macht sich nun aber die Sorge breit, US-Staatsanleihen könnten diese Sicherheit womöglich nicht weiter bieten. Der jüngste Renditeanstieg ist neben den gestiegenen Inflationssorgen auch vor dem Hintergrund eines gewissen Misstrauens gegenüber der Solidität der US-Staatsfinanzen zu sehen. Da der US-Anleihemarkt der mit Abstand größte und bedeutendste weltweit ist und auch viele andere Staaten mit überbordenden Schulden kämpfen, zogen die Anleiherenditen zuletzt weltweit an.
Die oft geäußerte Skepsis in Bezug auf den Safe-Haven-Status von US-Staatstiteln ließ sich zuletzt insbesondere im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine (siehe nachfolgende Grafik) und aktuell im Nahost-Konflikt beobachten. Denn im Gegensatz zu vorhergehenden Krisen, in denen der Safe-Haven-Status meist zur Geltung kam und die Anleihekurse stiegen, fielen sie diesmal und die Renditen der US-Papiere zogen im Umkehrschluss teils deutlich an. Was allerdings auch bedeuten könnte, dass die Sorgen vor kriegsbedingt stark steigenden Energiepreisen und in der Folge spürbar anziehenden Inflationsraten einfach stärker sind.

Verkürzte Sichtweise: Die Ursachen für den jüngsten Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen hauptsächlich dem wachsenden Schuldenberg und dem in der Folge schwindenden Vertrauen der Investoren zuzuschreiben, greift unseres Erachtens zu kurz, weil er zwei wichtige Aspekte außen vor lässt.
Aspekt Nummer eins: Die Inflation ist in den USA in den letzten Monaten merklich angestiegen: von im Schnitt 2,6 % im Jahr 2025 auf zuletzt 3,4 %. Ziehen die Inflationsraten an, fordern Anlegerinnen und Anleger seit jeher einen höheren Zins als Ausgleich für den damit einhergehenden Kaufkraftverlust. Wie viel von der nominalen Rendite nach Abzug der Inflation tatsächlich übrig bleibt, macht die sogenannte „Realrendite“ (Rendite nach Inflation) anschaulich. Und eben diese Realrendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe zeigte zuletzt keine außergewöhnlichen Veränderungen (siehe nachfolgenden Chart). Das deutet darauf hin, dass ein wesentlicher Teil des jüngsten Renditeanstiegs der wieder anziehenden Inflation und nur zu einem eher geringen Teil einem schwindenden Vertrauen der Investoren geschuldet ist. Andernfalls hätte die Realrendite deutlicher zulegen müssen.

Aspekt Nummer zwei: Wie skeptisch Investoren die Kreditwürdigkeit der USA einschätzen, lässt sich auch an den sogenannten „CDS-Prämien“ (Credit Default Swap) ablesen. Sie entsprechen – vereinfacht ausgedrückt – den Kosten für eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall der US-Regierung. Je höher die Prämie, desto größer ist die vom Markt vermutete Ausfallgefahr. Wenn man die Entwicklung der CDS-Prämien in der jüngeren Vergangenheit betrachtet (siehe nachfolgenden Chart), deutet nichts auf eine Neubewertung des US-Ausfallrisikos hin.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass Investoren die Kreditwürdigkeit der USA nicht ernsthaft infrage stellen, ist die anhaltend robuste Nachfrage bei den Auktionen von US-Staatsanleihen. Dies ist umso bemerkenswerter, weil mit der US-Notenbank Fed mittlerweile ein äußerst bedeutender Anleihekäufer vom Markt verschwunden ist. Die Rolle der amerikanischen Zentralbank hat sich sogar grundlegend gewandelt. Kaufte sie nach der Finanzkrise 2008 und während der Corona-Pandemie noch in großem Umfang US-Staatsanleihen zur Stabilisierung der Finanzmärkte, versucht sie heute, ihre Anleihebestände schrittweise zu reduzieren.
Ergo: Beide aufgezeigten Aspekte liefern keinen Beleg dafür, dass das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA zuletzt ernsthaft gelitten hat und darin der Hauptgrund für den jüngsten Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen zu suchen ist.
Hinzu kommt: Der US-Anleihemarkt bleibt das Zentrum des Weltfinanzsystems. Trotz aller aktuellen Herausforderungen werden US-Staatsanleihen ihre herausragende Stellung an den globalen Finanzmärkten bis auf Weiteres behalten. Daran dürften selbst wiederkehrende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA nichts ändern. Für viele institutionelle Investoren weltweit, die große Summen bewegen, gibt es schlichtweg keine Alternativen, die eine vergleichbare Größe, Liquidität und immer noch wahrgenommene Sicherheit bieten wie der amerikanische Staatsanleihemarkt. Ein weiterer entscheidender Faktor hierbei ist die Rolle des US-Dollars als weltweit wichtigste Reserve- und Handelswährung.

Schuldenabbau wird zum Kraftakt
Während lange Zeit die steigende Schuldenlast angesichts niedriger/niedrigster Zinsen passabel zu schultern war, müsste sie nun angesichts steigender Zinsen eigentlich wieder sinken. Das tut sie allerdings nicht – im Gegenteil. Die Politik erweckt weiterhin den Eindruck, den Herausforderungen Herr werden zu können. Deshalb fehlt offenkundig der politische Wille zum spürbaren Schuldenabbau. Dabei verschärft die Kombination aus steigender Verschuldung und höheren Zinsen die finanzielle Belastung zunehmend.
Statt das riesige amerikanische Haushaltsdefizit zu senken – was unter Trump schwierig bis unmöglich sein dürfte –, wendet US-Finanzminister Scott Bessent einen finanztechnischen Kniff an: Er ersetzt langfristige durch kurzfristige Schulden. Die Überlegung dahinter: Da US-Kurzläufer niedriger rentieren als langlaufende Anleihen, reduziert diese Operation die Zinslast des Staates, allerdings nur geringfügig.
Der vermeintliche (Zins-)Vorteil hat allerdings seinen Preis: Kurzfristige Anleihen müssen viel häufiger durch neue ersetzt werden, als das bei langfristigen der Fall ist. Steigen die kurzfristigen Zinsen (auch infolge von in Aussicht stehenden Leitzinserhöhungen), muss der Staat seine Schulden zu höheren Kosten (sprich: Zinsen) refinanzieren. Die heutige Zinsersparnis kann sich dann schnell ins Gegenteil verkehren. Obendrein ändert Bessents Manöver nichts an der absoluten Höhe des riesigen Defizits. Daher überrascht es nicht, dass die Märkte auf dieses Tauschvorhaben nur verhalten reagierten.
Ausweg Inflation: Mittelfristig dürfte die US-Regierung von einer vermutlich anhaltend hohen Inflation profitieren. Inflation gilt als ein zentraler Hebel für die Entschuldung. Eine Entwertung von Staatsschulden durch Inflation ist für eine Gesellschaft allerdings alles andere als wünschenswert, da sämtliche Vermögenswerte, aber auch Ersparnisse und Löhne an realer Kaufkraft verlieren. Und wie bereits erwähnt, bleibt am Ende eine letzte Option: Steuererhöhungen.
Kommt der Schulden-Crash oder nicht?
Das Risiko, dass die USA pleitegehen und dadurch ihre Anleihen nicht bedienen können, ist trotz hohem Schuldenstand und Trumps erratischer Politik unseres Erachtens äußerst gering. Notenbanken und Regierungen dürften einen unkontrollierten Zusammenbruch der Finanzmärkte kaum zulassen. Schließlich liegen US-Staatsanleihen in erheblichem Umfang auch in den Portfolios der Pensionskassen und Altersvorsorgefonds, was staatliche Stützungsmaßnahmen im Notfall eigentlich alternativlos macht.
Ob die nicht allein auf die USA bezogene Schuldenproblematik (ggf. in Verbindung mit der zunehmenden Angst vor einer KI-Blase) nichtsdestotrotz das Potenzial hat, einen globalen Crash an den Finanzmärkten auszulösen, wissen wir nicht … das weiß niemand. Wahrscheinlicher ist es unseres Erachtens aber, dass es zukünftig des Öfteren zu stärkeren Turbulenzen an den Anleihe- und Aktienmärkten kommen könnte – insbesondere dann, wenn die erwähnten Sorgen durch die aktuelle Berichterstattung erneut aufflammen.
Was ist zu tun? Angesichts dieser Gemengelage bleibt eine möglichst breite Streuung der Investments (in Abhängigkeit von der individuellen Risikotoleranz) in Kombination mit einer ruhigen Hand das bevorzugte Mittel der Wahl. Ja, diesen Ratschlag hören Sie zugegebenermaßen nicht zum ersten Mal von uns und er klingt womöglich recht einfallslos. Aber: In der Vergangenheit hat sich diese Empfehlung in Krisensituationen nachgewiesenermaßen bewährt.
Die Alternative hierzu ist einfach mit zu vielen Fallenstricken versehen: Man müsste Ursachen, Dauer und Auswirkungen einer Krise auf Wirtschaft und Finanzmärkte korrekt vorhersagen. Wer die Krise falsch einschätzt, läuft Gefahr, das Falsche zu tun. Der Antrieb, unbedingt zu handeln, um so das Gefühl zu haben, eine kritische Situation kontrollieren zu können, ist zwar allzu verständlich und menschlich. Bei der Geldanlage erweist sich dieser Impuls jedoch sehr oft als Irrweg.
Wäre alles immer genau vorhersehbar, gäbe es ein Patentrezept, wie sich Anlegerinnen und Anleger entsprechend positionieren müssten. Da dies jedoch illusorisch bleiben wird und stattdessen permanente Unsicherheit herrschen dürfte, ist es umso wichtiger, sich mit einem diversifizierten Portfolio für unterschiedliche Szenarien gut aufzustellen – für Wachstumsschübe ebenso wie für Wachstumseinbrüche, für Inflations- und Deflationsphasen, aber auch für Krisen und geopolitische Konflikte, ohne das Portfolio jedes Mal grundlegend neu ausrichten zu müssen. Und dass Krisen und geopolitische Konflikte nicht zwangsläufig nachteilig für die Börsenkurse sein müssen, hat die jüngere Vergangenheit mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt.







.webp)