Tatsächlich bestätigte sich in dem Artikel eine meiner fünf Thesen zum Thema KI und Geldanlage, die ich im letzten Jahr beim Berliner House of Finance & Tech (HoFT) aufgestellt hatte. Als Speaker hatte ich dort die folgenden Thesen im Gepäck:
- KI kann – entgegen der weit verbreiteten Hoffnung – den Markt nicht schlagen. Die Portfolios werden auch in Zukunft von Menschen gebaut und verwaltet.
- Durch KI verändert sich die Rolle des Anlageberaters – er wird mehr und mehr zum menschenorientierten Coach, der die großen Lebensthemen seiner Kunden begleitet und deren Finanzen darauf abstimmt.
- KI demokratisiert das Finanzwissen, sie macht Informationen rund um die Geldanlage, den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge allen Menschen zugänglich. Insbesondere die jüngeren Generationen werden damit eine höhere Finanzbildung erlangen.
- KI führt zudem zu einer Demokratisierung der Beratung. Eine unabhängige Basisberatung, quasi eine Stiftung Warentest 2.0, wird jedem Menschen kostenlos zur Verfügung stehen. Mit quirion.Ai bieten wir das bei quirion schon heute als Service an.
- Und last, but not least schafft die KI endlich das Provisionsbanking ab. Durch höhere Finanzbildung werden die Menschen ihr Geld intelligenter und kostengünstiger anlegen.

Und genau diese letzte These scheint sich tatsächlich schon jetzt zu bestätigen. Das zeigt die in der Börsen-Zeitung zitierte BCG-Studie. So sagt die Hälfte der Befragten, dass sie KI-Empfehlungen in Sachen Geldanlage mindestens genauso stark oder sogar stärker vertrauen als einem provisionsorientierten Berater.1

Das musste ich erst mal sacken lassen.
KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini sind der breiten Öffentlichkeit erst seit wenigen Jahren zugänglich – und ihren Empfehlungen wird bereits genauso vertraut wie einem provisionsfinanzierten Bankberater aus Fleisch und Blut? Das ist meiner Meinung nach ein wirklich bemerkenswertes Ergebnis. Aber es hat, wenn man ehrlich ist, eine gewisse Logik.
Was das für eine ganze Generation bedeutet
Tatsächlich läuft es hierzulande ja so: Wer Aktien kaufen will, bekommt von der eigenen (oder jeder anderen provisionsfinanzierten) Bank meist einen der hauseigenen aktiv gemanagten Fonds empfohlen. Diese kommen in der Regel mit einer mäßigen Rendite und hohen Kosten daher, Letztere bringen aber eben ordentliche Provisionseinnahmen für das jeweilige Haus. Die Interessen des Anlegers sind meist zweitrangig. Diese Erfahrungen haben viele Menschen geprägt und nicht selten davon abgehalten, überhaupt in Wertpapiere zu investieren.
Genau hier setzt die KI an, ohne dass das explizit der Plan gewesen wäre. Wer heute mit ChatGPT oder einem anderen KI-Tool eine Frage zur Geldanlage stellt, bekommt eine sachliche, kostenfreie und vor allem von Provisionsinteressen unabhängige Antwort. Keine versteckten Interessen, keine Verkaufsabsicht. Für junge Menschen, die gerade anfangen, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen, ist das ein echter Paradigmenwechsel. Sie dürfen – und das meine ich ganz wörtlich – DVAG- und provisionsbankenfrei aufwachsen. Das ist ein echtes Geschenk dieser Zeit, denn de KI hat nur eine Agenda: die ihr gestellten Fragen ehrlich zu beantworten. Damit können junge Menschen heute Finanzentscheidungen treffen, ohne sich fragen zu müssen: Wer verdient hier eigentlich an mir? Und last, but not least hat das enorme Auswirkungen auf den eigenen Anlageerfolg.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Dass diese Entwicklung keine Randerscheinung ist, zeigen weitere Ergebnisse der Studie. So geben 38 % der Befragten an, dass die KI-Recherche deutlich besser abgeschnitten hat als die Beratung durch ihren provisionsfinanzierten Bankberater. Im Vergleich zur Chat-Funktion in der App der eigenen Bank liegt die KI-Recherche sogar bei 52 % der Befragten vorn – ein Ergebnis, das die Banken eigentlich alarmieren sollte, denn hier verlieren sie nicht gegen externe Konkurrenz, sondern gegen sich selbst.
Noch deutlicher wird es, wenn man auf die Wechselbereitschaft schaut: 30 % der Bankkunden würden für ein besseres KI-Erlebnis die Bank wechseln. Bei den unter 35-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Wer glaubt, das sei noch Zukunftsmusik, irrt.
Nicht alles Gold, was glänzt
Dass mich diese Ergebnisse aufrichtig freuen, erklärt sich von selbst. Bei aller Begeisterung wäre es jedoch unehrlich, die Vorbehalte zu verschweigen – und die gibt es eben auch. So haben 56 % der Befragten Sorge, dass die KI bei Finanzfragen Fehler macht, die der Kunde nicht bemerkt. Und 50 % geben an, bei finanziellen Entscheidungen lieber Menschen zu vertrauen.







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