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50 Jahre Indexfonds: Eine Idee revolutioniert die Geldanlage

Prof. Dr. Stefan May
,
Leiter Anlagestrategie und Produktentwicklung
7
Minuten

Vor fast genau 50 Jahren legte der erste Indexfonds für ein breites Anlegerpublikum – der Vorläufer der heutigen ETFs – den Grundstein für eine Anlagephilosophie, die auf Einfachheit, breite Streuung, niedrige Kosten und den Verzicht auf Marktprognosen setzt. Damit wurde aus einer einst revolutionären Idee ein heute nicht mehr wegzudenkendes Prinzip des langfristigen, effizienten Vermögensaufbaus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor rund 50 Jahren legte John Bogle mit seinem ersten Indexfonds den Grundstein für eine neue Form der Geldanlage.
  • Statt auf die Auswahl einzelner Aktien zu setzen, ermöglichte sein neuartiger Fonds eine kostengünstige Abbildung eines breiten Aktienindex – damals ein revolutionärer Ansatz.
  • Die Idee stieß zunächst auf Skepsis, setzte sich aber nach und nach durch und wurde zum Vorbild für die heutigen ETFs.
  • Bogle selbst sah die ständige Handelbarkeit von ETFs kritisch, weil sie dazu verleiten könnte, kurzfristig zu agieren, statt dauerhaft investiert zu bleiben.

Der Mann hinter dieser wegweisenden Idee war John Bogle, US-Finanzmanager und Gründer der Investmentgesellschaft Vanguard. Am 31. August 1976 – sprich: vor rund 50 Jahren – schrieb er mit seinem ersten Indexfonds für breite Anlegerkreise Finanzgeschichte. Indexstrategien gab es seinerzeit bereits für institutionelle Investoren. Bogle machte dieses Anlageprinzip jedoch erstmals einem breiten Kreis von Privatanlegerinnen und Privatanlegern zugänglich – und legte damit den Grundstein für den späteren Siegeszug des passiven Investierens.

Geburtsstunde des ETF-Vorläufers

Bogle machte es einem breiten Publikum möglich, erstmals mit einer einzigen Anlage breit gestreut und kostengünstig in einen Aktienindex zu investieren, was eine Alternative zur damals üblichen, teuren aktiven Fondsverwaltung darstellte, deren Ergebnisse meist hinter dem Markt zurückblieben. An der ernüchternden Bilanz aktiver Fondsverwaltung hat sich im Übrigen bis heute nichts geändert.

Als studierter Ökonom erkannte John Bogle recht schnell, dass die meisten Fondsmanager, die selbst Aktien nach gewissen Kriterien auswählen, in den seltensten Fällen den als Vergleich in Betracht kommenden Index schlugen. Diese Erkenntnis hat bis heute Gültigkeit und wird durch aktuelle Untersuchungen immer wieder untermauert. Eine beispielsweise regelmäßig durchgeführte Analyse von S&P Dow Jones Indices (sog. „SPIVA-Report“) zeigte wiederholt, dass knapp 80 % der aktiven Fondsmanager, die in Aktien großer US-Unternehmen investieren, nach einem Jahr hinter dem S&P 500 Index zurückbleiben. Über längere Zeiträume fällt die Bilanz noch ernüchternder aus (siehe nachfolgende Grafik). Ein wesentlicher Grund dafür sind – neben teils gravierenden Fehleinschätzungen – die im Vergleich zu Indexfonds bzw. ETFs deutlich höheren jährlichen Gebühren aktiver Fonds.

John Bogle zog daraus gemeinsam mit dem US-Ökonomen Burton Malkiel die Konsequenz und entwickelte den „First Index Investment Trust“ (heutiger Name: „Vanguard 500 Index Fund“). Das für die damalige Zeit revolutionäre Konzept bestand darin, den Fonds möglichst exakt an die Entwicklung des US-Börsenindex S&P 500 zu koppeln. Für Privatanlegerinnen und Privatanleger eröffnete dieser Indexfonds damit nicht nur eine völlig neue, sondern langfristig auch eine attraktive Möglichkeit der Geldanlage (siehe nachfolgenden Chart).

Der Vorläufer der ETFs war damit geboren – und mit ihm eine Anlageidee, die bis heute überzeugt: langfristig, kostengünstig und breit gestreut zu investieren und dabei an der Wertentwicklung der Märkte teilzuhaben. Auch wenn Bogles Indexfonds bereits die Grundidee heutiger ETFs verkörperte, handelte es sich streng genommen noch nicht um einen klassischen ETF. Grund: Er konnte nicht fortlaufend über eine Börse gehandelt werden und erfüllte damit nicht ein wesentliches Merkmal der heutigen ETFs. Indexfonds lassen sich zwar auch jederzeit über die Fondsgesellschaft (oder einen Vermittler) kaufen und zurückgeben. Die Abrechnung erfolgt aber nicht fortlaufend zu einem Börsenkurs, sondern zum nächsten nur einmal täglich festgestellten Nettoinventarwert. Bogles Bedeutung als Wegbereiter der ETF-Idee schmälert das allerdings nicht.

Bogle benötigte viel Geduld und Ausdauer, bevor sich seine Idee letztendlich durchsetzte. Sein Ansatz stieß in der Finanzbranche zunächst auf erhebliche Skepsis, teilweise sogar auf offene Ablehnung. Viele seiner Kollegen sahen in dem neuen Produkt sogar einen Affront gegen amerikanische Werte. Ihrer Meinung nach sei es „unamerikanisch“, sich mit der durchschnittlichen Marktrendite (in Gestalt einer Indexentwicklung) zufrieden zu geben – schließlich strebe man in Amerika immer nach Spitzenleistungen und nicht nach durchschnittlichen Ergebnissen. Doch der „Index-Rebell“, wie er auch gern genannt wurde, war überzeugt, dass es langfristig erfolgversprechender sei, dem Markt zu folgen, statt auf die Fähigkeiten aktiver Fondsmanager zu vertrauen.

Seine Argumentation beruhte zudem darauf, dass es für Anleger und Anlegerinnen schlichtweg zu riskant sei, sich auf nur wenige Unternehmen zu konzentrieren. Vielmehr wäre es sinnvoller, in eine breite Palette von Unternehmen zu investieren und somit das Anlagerisiko zu minimieren. Mit der Zeit setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Indexanlage tatsächlich erhebliche Vorteile bietet. Die breite Risikostreuung, die niedrigen Kosten und die immer wieder aufs Neue bestätigte Erkenntnis, dass professionelles Fondsmanagement die Märkte nicht dauerhaft schlagen kann, verliehen der Idee mehr und mehr Auftrieb.

Was Bogle an ETFs stört

Der Vater der Indexfonds stand ETFs (Exchange Traded Funds) zeitlebens kritisch gegenüber. Seine Kritik richtete sich allerdings nicht gegen deren Konstruktion oder Funktionsweise, sondern entzündete sich vielmehr an dem Umstand, dass ETF-Anteile während des gesamten Börsenhandelstages jederzeit ge- und verkauft werden können. Bogles Sorge war, dass diese ständige Handelbarkeit Anlegerinnen und Anleger zu spekulativem und kurzfristigem Verhalten verleiten könnte. Häufiges Handeln sei auf lange Sicht schädlich für die Rendite und widerspreche dem Grundprinzip des langfristigen Investierens, das Bogle stets propagierte. Auch der Aufstieg aktiv gemanagter Strategien innerhalb der ETF-Branche steht nicht im Einklang mit seiner ursprünglichen Vision eines einfachen, kostengünstigen und passiven Investierens.

Doch die von Bogle kritisierte ständige Handelbarkeit ändert nichts daran, dass ETFs bei langfristiger und disziplinierter Nutzung die Grundidee des Indexfonds bewahren. Richtig eingesetzt, bieten ETFs gerade für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger erhebliche Vorteile: Sie ermöglichen eine breite Streuung, sind transparent und kostengünstig. Wer dauerhaft investiert bleibt, statt sich von kurzfristigen Marktschwankungen zu hektischem Handeln verleiten zu lassen, kann die Renditechancen des Gesamtmarktes für sich nutzen. Ein wichtiger Meilenstein war in diesem Zusammenhang der 11. April 2000: An diesem Tag starteten in Deutschland die ersten beiden ETFs an der Börse – auf den Euro Stoxx 50 und den Stoxx Europe 50.

John Bogles prägender Einfluss auf die Geldanlage lässt sich kaum treffender zusammenfassen als mit den Worten der Investorenlegende Warren Buffett: „Wenn jemals ein Denkmal errichtet wird, um die Person zu ehren, die das meiste für amerikanische Investoren getan hat, sollte zweifellos die Wahl auf Jack Bogle fallen“ (Anmerkung: nicht nur für amerikanische Investoren).

John Clifton Bogle (Spitzname “Jack”) starb am 16. Januar 2019 im Alter von 89 Jahren. Doch die von ihm angestoßene Revolution der Geldanlage wirkt bis heute nach.

Fazit

  • Der US-Ökonom John Bogle legte vor 50 Jahren den Grundstein für die Indexanlage.
  • Sein Ansatz: statt in Einzelaktien langfristig, kostengünstig und breit gestreut in einen Aktienindex investieren – damals eine revolutionäre Idee.
  • Aus dem anfangs belächelten Indexfonds (absolut „unamerikanisch“) entwickelte sich das Erfolgsmodell der heutigen ETFs.
  • Bogle selbst sah die ständige Handelbarkeit von ETFs kritisch, weil sie zu kurzfristigem Handeln verleiten und damit den langfristigen Anlagegedanken untergraben könnte.
  • Bis heute bieten Indexfonds bzw. ETFs ein überzeugendes Konzept für einen langfristigen, breit gestreuten, kostengünstigen und erfolgreichen Vermögensaufbau.

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Über den Autor
Prof. Dr. Stefan May

Prof. Dr. Stefan May ist als Leiter Anlagestrategie und Produktentwicklung seit 2014 bei der Quirin Privatbank tätig und hat jahrzehntelange Erfahrung in der Kapitalmarktpraxis. Er ist zudem seit rund 30 Jahren Professor für Finanzmarktanalyse und Portfoliomanagement an der Technischen Hochschule Ingolstadt (mittlerweile emeritiert). Prof. May hatte maßgeblichen Anteil an der Einführung unseres auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Kapitalmarktforschung basierenden Anlagekonzepts. Als Vorsitzender des Anlageausschusses der Bank ist er – gemeinsam mit dem Team der Vermögensverwaltung – nach wie vor für die fortlaufende Gestaltung und Optimierung der Anlagestrategien verantwortlich.

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